Schritte ins Kloster

Tor zum Klostergelände

Voraussetzungen

In ein Kloster eintreten kann nur, wer das 18. Lebensjahr vollendet hat und geistig und körperlich gesund ist. Um das monastische Leben durchzuhalten und sich in das Gemeinschaftsleben einzufinden, sind persönliche Reife und soziale Kompetenz unabdingbar. Die Erfahrung zeigt, dass ein Eintritt im Idealfall im Alter von ca. 25-40 Jahren erfolgt.

Gegenseitiges Kennenlernen

Vor einem Eintritt ist es wichtig, dass die Gemeinschaft und die Interessentin die Gelegenheit haben, sich gegenseitig kennen zu lernen. Am Besten kommt die Interessentin dazu eine oder mehrere Wochen(enden) als Gast zu Besuch. So lernt sie das Klostergelände, die grobe Tagesstruktur und das Chorgebet kennen. Dabei werden auch erste Gespräche mit Schwestern möglich. Wenn es von beiden Seiten als passend empfunden wird, kann die Interessentin für bestimmte Arbeiten oder andere Gelegenheiten die Erlaubnis zum Zutritt des Klausurbereichs bekommen.

Eintritt und Kandidatur

Der Klostereintritt markiert das Ende des vorherigen Lebensabschnitts und den Beginn des Klosterlebens. Der Schritt will gut überlegt sein. Arbeitsplatz, Mietwohnung, Handyvertrag und ähnliche Verpflichtungen müssen gekündigt werden und man sollte sich von möglichst allen Besitztümern trennen. Nur das unbedingt Nötigste an Kleidung, Büchern und persönlichen Gegenständen kann mit in die Klosterzelle gebracht werden.

Die Kandidatur dauert in der Regel ein Jahr. In dieser Zeit ist man zivil gekleidet und jederzeit frei zu gehen. Man lernt die verschiedenen Tätigkeitsbereiche des Klosters kennen und lebt sich in den monastischen Alltag ein.

Einkleidung und Noviziat

Das Noviziat beginnt mit der feierlichen Einkleidung der Kandidatin, die ab diesem Zeitpunkt das Ordensgewand trägt. Mit der neuen Kleidung erhält sie auch einen neuen Namen und ist nun Teil der Schwestern. Sie wird vertieft im Ordensleben unterrichtet und verbringt eventuell einige Zeit in einem anderen Kloster des Zisterzienserordens als Teil ihrer Ausbildung.

Das Noviziat dauert 12-18 Monate. Der Novizin steht es jederzeit frei das Kloster zu verlassen. Ebenso hat die Gemeinschaft das Recht den gemeinsamen Weg nicht fortzusetzen.

Zeitliche Profess

Das Noviziat endet mit der Ablegung der Zeitlichen Profess. In einem feierlichen Ritus verspricht die junge Ordensfrau für eine bestimmte Zeit ein gehorsames und beständiges Ordensleben nach der Regel des Heiligen Benedikt zu führen. Die Jungprofessin unterschreibt ihre Professurkunde und erhält das schwarze Skapulier und Zingulum. Sie ist nun enger an die Gemeinschaft und den Orden gebunden und kann erst nach Ablauf der versprochenen Zeit das Kloster verlassen.

Damit diese Zeit nicht zu lange ist für jene, die merken, dass sie doch kein Ordensleben führen möchten, ist es üblich die Profess zweimal für jeweils zwei Jahre abzulegen.

Ewige Profess

Erst nach insgesamt mindestens drei Jahren zeitlicher Profess erlaubt das Ordensrecht die Ablegung der Ewigen Profess. Die Schwester bindet sich mit der Ablegung der Ewigen Profess bis zum Tod an diesen Ort und diese Gemeinschaft. Sie erhält den schwarzen Schleier, die Kukulle und Stimmrecht bei Entscheidungen.

Novizinnen bei ihrer Professablegung

Zisterziensische Berufung

Die Berufung jeder einzelnen Schwester ist grundgelegt in einem jeweils persönlichen und einzigartigen Anruf Gottes zur besonderen Nachfolge Christi.

Als Zisterzienserinnen gehören die Nonnen in Helfta einem der alten monastischen Orden an und legen in ihrer Profess die Gelübde der Beständigkeit (stabilitas), der monastischen Lebensführung (conversatio morum) und des Gehorsams (oboedientia) ab.

Stabilitas

Das Versprechen der Stabilitas bindet die Schwester an ein bestimmtes Kloster und damit an die konkrete dort lebende Gemeinschaft. Die einzelne Nonne stellt sich dieser - von der Priorin geleiteten - Gemeinschaft in Liebe, Treue und Bereitschaft zur Verfügung und erwartet von ihr Richtung, Schutz und Stütze auf dem Weg der Gottsuche.

Tief verwurzelter Baum

Voraussetzung für eine tiefe Bindung an die Kommunität ist die Überzeugung, dass Gott diese gefügt hat und Christus in ihr in besonderer Weise gegenwärtig ist. Sie wird gestützt vom Vertrauen darauf, dass der Geist Gottes die Gemeinschaft führt.

Die Stabilität zum Kloster und zur Gemeinschaft soll zu einer immer tieferen Stabilität des Herzens und des Geistes führen.

Conversatio morum

Durch das Versprechen der Conversatio morum bekennt das Ordensmitglied die eigene Hinfälligkeit und verpflichtet sich zu einer immer neuen Hinwendung zu Christus.

Ausrichtung einer Blume nach der Sonne

Dieser ständigen mühevollen Bekehrung vom alten zum neuen Menschen dient das Klosterleben, zu dem selbstverständlich die Einhaltung der [evangelischen Räte] gehört. In der Dynamik der ständigen Gottsuche liegt das eigentliche Tun der Schwestern. Sie sind auf einem Weg, der sie zur Herzensreinheit führen soll.

Gehorsam

Jeus Christus, dessen menschliches Leben ganz vom Gehorsam gegenüber seinem himmlischen Vater getragen war, hat mit seinem Gehorsam jedem Christen ein Beispiel gegeben. Dieser Gehorsam liegt in der Erforschung des Willens Gottes und seiner Entsprechung durch die Tat. Er ist ein Offensein für die Anregungen des Heiligen Geistes.

Hinzu kommt für Ordenschristen der Gehorsam gegenüber den Konstitutionen im Sinne der [Ordensregel] und der Oberin. In diesem Sinn hat der Gehorsam einen Aspekt der Unterordnung. Er bedeutet die Anerkennung der letzten Entscheidungsgewalt der Priorin.

Es ist möglich, dass die einzelne Schwester die Last des Gehorsams spürbar erfährt. Der Blick auf Christus, der sich selbst entäußerte, hilft ihr diese Last in Liebe zu tragen und in Bereitwilligkeit auf sich zu nehmen.

Hier wird auch die große Verantwortung sichtbar, die der Priorin in der Ausübung ihrer Autorität auferlegt ist.

Keuschheit

Durch das ehelose Leben wird die Schwester in besonderer Weise frei für den Dienst an der Welt und den Aufbau des Reiches Gottes auf Erden.

Das Herz Christus schenken

Dabei werden durch die totale innere Hinwendung auf Gott die Beziehungen zu Welt und Mensch keineswegs geschmälert, vielmehr erhalten sie eine besondere Intensität; denn Liebe zu Gott heißt zugleich Teilnahme an der Liebe Gottes zu den Menschen.

Armut

Die klösterliche Armut bedeutet den Verzicht auf die Verfügungsgewalt über materielle Güter. Darin schenkt sie Freiheit und Unabhängigkeit den irdischen Dingen gegenüber und ein von ängstlicher Sorge unbeschwertes Leben im Vertrauen auf die Güte Gottes. Sie beinhaltet darüber hinaus die Verpflichtung zur Arbeit und ist eine Form der Solidarität mit den Armen und Leidenden.

Rosenkranz

Jede Schwester soll in ihren Bedürfnissen anspruchslos, bescheiden und zufrieden sein.

Gebetsleben

Im Kloster ist alles auf die Begegnung mit Gott ausgerichtet. Die Schwestern suchen im Gebet die persönliche Vereinigung mit Gott, ihrem Ursprung, Ziel und Lebensinhalt. Aus der Vereinigung mit Christus schöpfen sie die Kraft zur Verwirklichung ihres Lebens nach den evangelischen Räten. Fürbittend treten die Schwestern für die Anliegen der Welt ein und rufen Gottes Gnade auf die Menschheit herab.

Schwester in Anbetung vor dem Allerheiligsten

Stundengebet

Das Stundengebet entfaltet zu den verschiedenen Tagesstunden Lob, Dank und Bitte, das Gedächtnis der Heilsmysterien und die Vorahnung der himmlischen Herrlichkeit. Es führt dem Alltag Kraft und Leben zu, indem es den Tag und alle menschliche Geschäftigkeit heiligt.

Blick aus der Krypta in die Klosterkirche

Die Zeiten für das Stundengebet, zu dessen Teilnahme Sie herzlich eingeladen sind, finden Sie [hier].

Lectio Divina

Die geistliche Lesung gehört wesentlich zum Gebetsleben. Sie soll stets das Gebet begleiten. In ihr begegnen wir dem Wort Gottes, in dem wir den Anspruch Gottes in unserem Leben erfahren.

Offenes Buch

Die Lectio Divina fördert den Fortschritt des persönlichen geistlichen Lebens und hilft dabei das eigene Leben immer mehr nach dem Willen Gottes zu formen.

Jede Schwester verwendet täglich wenigstens 20 Minuten für die geistliche Lesung.

Meditation

In der Meditation versucht der gläubige Christ in der Tiefe seines Seins Gott zu erfahren und von dort die Kraft zu einer auf Gott ausgerichteten Lebenshaltung zu finden. Durch die betende Versenkung in Gott zu bestimmten Zeiten, wird es möglich immer und überall Seinen Willen zu suchen und alles Geschehen mit Seinem Blick richtig einzuordnen. Die Meditation führt zum persönlichen Gespräch mit Christus, das - wenn Er die Gnade dazu schenkt - in der Einigung mit Ihm gipfelt.

Jede Schwester hält täglich eine Meditationszeit von 30 Minuten ein.

Privatgebet

Im privaten Gebet kommen die Schwestern dem Auftrag nach, im Verborgenen zum Vater zu beten (Mt 6,6) Besonders im Aufblick zu Gott während der Tagesarbeit werden sie sich immer mehr der ständigen Gegenwart Gottes bewusst. Jede Schwester nimmt sich nach Bedürfnis und gegebenen Möglichkeiten Zeit für Besuchungen des Allerheiligsten Sakramentes, für Rosenkranz und Kreuzweg.

Stille

Schweigsamkeit und Stille sind unerlässlich für das Hinhören auf das Wort Gottes. Sie helfen den wahren Wert der Dinge zu erkennen, das Leben danach auszurichten und sich immer mehr auf das Wesentliche zu beschränken. Innere Frucht ist der Friede, der aus der immer stärkeren Erfahrung der Gegenwart Gottes erwächst.

Sonnenaufgang über dem Park von Helfta

Das klösterliche Schweigen ist an besondere Zeiten und Orte gebunden. Das sogenannte große Stillschweigen reicht von der Komplet am Abend bis nach dem Morgengottesdienst Sogenannte Regularorte, an denen nicht gesprochen wird, sind unter anderem die Kirche und das Refektorium - der Speisesaal der Schwestern.

Wesentlich beim Schweigen ist das Wissen darum, dass das äußere Schweigen erst dann seinen eigentlichen Sinn erfüllt, wenn es im Dienst des inneren Schweigens steht und letztlich sein Ausdruck ist.