Gemeinschaft heute

Heute leben in Helfta elf Zisterzienserinnen:

Gottesdienstzeiten

von Montag bis Samstag

5.30 Uhr Vigil

6.00 Uhr Laudes

7.30 Uhr Messe (mit Terz)

11.45 Uhr Mittagshore

17.30 Uhr Vesper

19.45 Uhr Komplet

an Sonn- und Feiertagen

6.20 Uhr Vigil

7.00 Uhr Laudes

8.30 Uhr Messe

11.45 Uhr Mittagshore

17.30 Uhr Vesper

19.45 Uhr Komplet

Eingang der Klosterkirche von außen

Freunde des Klosters Helfta

Freunde des Klosters Helfta sind alle, die sich in besonderer Weise dem Kloster verbunden fühlen.

Liegt Ihnen der Fortbestand des Klosters Helfta am Herzen, so gibt es vielfältige Möglichkeiten, wie Sie sich engagieren können. Ein Beitritt zum Förderverein, geistige Unterstützung durch Ihr Gebet, finanzielle Unterstützung durch Spenden, sowie freiwilliges Mitarbeiten vor Ort sind den Schwestern eine große Hilfe.

Gruppenbild vom Kloster-Helfta-Tag

Förderverein

„Porta patet, cor magis – unsere Tür steht offen, unser Herz noch mehr!“ Seit dem Jahr 2000 unterstützt der „Förderverein Kloster St. Marien zu Helfta e. V.“ die Schwestern bei ihren Aufgaben. Unser Ziel: Kloster Helfta langfristig eine sichere finanzielle Zukunft zu ermöglichen. Der Mitgliedsbeitrag pro Person beträgt mindestens € 16,00 pro Jahr. Werden Sie Teil unseres Netzwerks und profitieren Sie von exklusiven Einladungen zu Seminaren, Exerzitien, Führungen und Vorträgen. Außerdem freuen wir uns auf Sie bei unserem jährlichen Kloster-Helfta-Tag.

IBAN: DE87 8005 5008 3311 0040 00

BIC: NOLADE21EIL

Sparkasse Mansfeld-Südharz

Der Flyer des Fördervereins mit weiterführenden Informationen steht Ihnen zum Download zur Verfügung.

Gebetsgemeinschaft

Viele Freunde des Klosters Helfta sind den Schwestern im Gebet verbunden. Sie kommen immer wieder zu Besuch, um mit den Schwestern gemeinsam zu beten und wissen sich auch fern vom Kloster vom Gebet der Schwestern getragen. Umgekehrt sind die Schwestern allen dankbar, die für sie beten.

Als Anregung für alle, die in diese Gebetsgemeinschaft einsteigen möchten, kann das folgende Gebet für Helfta dienen:

Dreifaltiger Gott,

Du hast den drei heiligen Frauen von Helfta Dein Wesen offenbart, das Liebe ist. In ihnen hast Du Deiner Kirche ein Beispiel für gegenseitige Stärkung und Stütze im geistlichen Leben, sowie für ein Leben aus tiefer Christusverbundenheit gegeben.

Schenke auf ihre Fürsprache hin den Schwestern, die heute in Helfta leben, die Gnade immer tiefer in die Liebe zu Dir und zueinander hineinzuwachsen. Hilf ihnen gemeinsam auf dem Weg voranzuschreiten, den sie in Antwort auf Deinen Ruf gewählt haben. Lass sie zu einem Zeichen Deiner Liebe in dieser Welt werden, das reiche Frucht bringt zum Segen für die Region und die ganze Kirche.

Amen.

Spender

Wenn Sie die Schwestern finanziell unterstützen möchten, können sie dies mit einer Überweisung auf folgendes Konto tun:

Spendenkonto:

Kloster St. Marien zu Helfta e.V.

Volks- und Raiffeisenbank Eisleben e.G.

IBAN: DE 11 8006 3718 0000 3300 00

BIC: GENODEF1EIL

Vielen Dank für Ihre Spende!

Helfer

Gerne können Sie den Schwestern auch Ihre Mithilfe vor Ort anbieten. Helfende Hände sind immer herzlich willkommen. Die Arbeitsfelder für freiwillige Helfer sind je nach Jahreszeit und Möglichkeiten ganz unterschiedlich. Am Besten fragen Sie einfach nach! pforte@kloster-helfta.de

Lavendelschneiden im Klausurgarten

Schritte ins Kloster

Tor zum Klostergelände

Voraussetzungen

In ein Kloster eintreten kann nur, wer das 18. Lebensjahr vollendet hat und geistig und körperlich gesund ist. Um das monastische Leben durchzuhalten und sich in das Gemeinschaftsleben einzufinden, sind persönliche Reife und soziale Kompetenz unabdingbar. Die Erfahrung zeigt, dass ein Eintritt im Idealfall im Alter von ca. 25-40 Jahren erfolgt.

Gegenseitiges Kennenlernen

Vor einem Eintritt ist es wichtig, dass die Gemeinschaft und die Interessentin die Gelegenheit haben, sich gegenseitig kennen zu lernen. Am Besten kommt die Interessentin dazu eine oder mehrere Wochen(enden) als Gast zu Besuch. So lernt sie das Klostergelände, die grobe Tagesstruktur und das Chorgebet kennen. Dabei werden auch erste Gespräche mit Schwestern möglich. Wenn es von beiden Seiten als passend empfunden wird, kann die Interessentin für bestimmte Arbeiten oder andere Gelegenheiten die Erlaubnis zum Zutritt des Klausurbereichs bekommen.

Eintritt und Kandidatur

Der Klostereintritt markiert das Ende des vorherigen Lebensabschnitts und den Beginn des Klosterlebens. Der Schritt will gut überlegt sein. Arbeitsplatz, Mietwohnung, Handyvertrag und ähnliche Verpflichtungen müssen gekündigt werden und man sollte sich von möglichst allen Besitztümern trennen. Nur das unbedingt Nötigste an Kleidung, Büchern und persönlichen Gegenständen kann mit in die Klosterzelle gebracht werden.

Die Kandidatur dauert in der Regel ein Jahr. In dieser Zeit ist man zivil gekleidet und jederzeit frei zu gehen. Man lernt die verschiedenen Tätigkeitsbereiche des Klosters kennen und lebt sich in den monastischen Alltag ein.

Einkleidung und Noviziat

Das Noviziat beginnt mit der feierlichen Einkleidung der Kandidatin, die ab diesem Zeitpunkt das Ordensgewand trägt. Mit der neuen Kleidung erhält sie auch einen neuen Namen und ist nun Teil der Schwestern. Sie wird vertieft im Ordensleben unterrichtet und verbringt eventuell einige Zeit in einem anderen Kloster des Zisterzienserordens als Teil ihrer Ausbildung.

Das Noviziat dauert 12-18 Monate. Der Novizin steht es jederzeit frei das Kloster zu verlassen. Ebenso hat die Gemeinschaft das Recht den gemeinsamen Weg nicht fortzusetzen.

Zeitliche Profess

Das Noviziat endet mit der Ablegung der Zeitlichen Profess. In einem feierlichen Ritus verspricht die junge Ordensfrau für eine bestimmte Zeit ein gehorsames und beständiges Ordensleben nach der Regel des Heiligen Benedikt zu führen. Die Jungprofessin unterschreibt ihre Professurkunde und erhält das schwarze Skapulier und Zingulum. Sie ist nun enger an die Gemeinschaft und den Orden gebunden und kann erst nach Ablauf der versprochenen Zeit das Kloster verlassen.

Damit diese Zeit nicht zu lange ist für jene, die merken, dass sie doch kein Ordensleben führen möchten, ist es üblich die Profess zweimal für jeweils zwei Jahre abzulegen.

Ewige Profess

Erst nach insgesamt mindestens drei Jahren zeitlicher Profess erlaubt das Ordensrecht die Ablegung der Ewigen Profess. Die Schwester bindet sich mit der Ablegung der Ewigen Profess bis zum Tod an diesen Ort und diese Gemeinschaft. Sie erhält den schwarzen Schleier, die Kukulle und Stimmrecht bei Entscheidungen.

Novizinnen bei ihrer Professablegung

Zisterziensische Berufung

Die Berufung jeder einzelnen Schwester ist grundgelegt in einem jeweils persönlichen und einzigartigen Anruf Gottes zur besonderen Nachfolge Christi.

Als Zisterzienserinnen gehören die Nonnen in Helfta einem der alten monastischen Orden an und legen in ihrer Profess die Gelübde der Beständigkeit (stabilitas), der monastischen Lebensführung (conversatio morum) und des Gehorsams (oboedientia) ab.

Stabilitas

Das Versprechen der Stabilitas bindet die Schwester an ein bestimmtes Kloster und damit an die konkrete dort lebende Gemeinschaft. Die einzelne Nonne stellt sich dieser - von der Priorin geleiteten - Gemeinschaft in Liebe, Treue und Bereitschaft zur Verfügung und erwartet von ihr Richtung, Schutz und Stütze auf dem Weg der Gottsuche.

Tief verwurzelter Baum

Voraussetzung für eine tiefe Bindung an die Kommunität ist die Überzeugung, dass Gott diese gefügt hat und Christus in ihr in besonderer Weise gegenwärtig ist. Sie wird gestützt vom Vertrauen darauf, dass der Geist Gottes die Gemeinschaft führt.

Die Stabilität zum Kloster und zur Gemeinschaft soll zu einer immer tieferen Stabilität des Herzens und des Geistes führen.

Conversatio morum

Durch das Versprechen der Conversatio morum bekennt das Ordensmitglied die eigene Hinfälligkeit und verpflichtet sich zu einer immer neuen Hinwendung zu Christus.

Ausrichtung einer Blume nach der Sonne

Dieser ständigen mühevollen Bekehrung vom alten zum neuen Menschen dient das Klosterleben, zu dem selbstverständlich die Einhaltung der [evangelischen Räte] gehört. In der Dynamik der ständigen Gottsuche liegt das eigentliche Tun der Schwestern. Sie sind auf einem Weg, der sie zur Herzensreinheit führen soll.

Gehorsam

Jeus Christus, dessen menschliches Leben ganz vom Gehorsam gegenüber seinem himmlischen Vater getragen war, hat mit seinem Gehorsam jedem Christen ein Beispiel gegeben. Dieser Gehorsam liegt in der Erforschung des Willens Gottes und seiner Entsprechung durch die Tat. Er ist ein Offensein für die Anregungen des Heiligen Geistes.

Hinzu kommt für Ordenschristen der Gehorsam gegenüber den Konstitutionen im Sinne der Ordensregel und der Oberin. In diesem Sinn hat der Gehorsam einen Aspekt der Unterordnung. Er bedeutet die Anerkennung der letzten Entscheidungsgewalt der Priorin.

Es ist möglich, dass die einzelne Schwester die Last des Gehorsams spürbar erfährt. Der Blick auf Christus, der sich selbst entäußerte, hilft ihr diese Last in Liebe zu tragen und in Bereitwilligkeit auf sich zu nehmen.

Hier wird auch die große Verantwortung sichtbar, die der Priorin in der Ausübung ihrer Autorität auferlegt ist.

Keuschheit

Durch das ehelose Leben wird die Schwester in besonderer Weise frei für den Dienst an der Welt und den Aufbau des Reiches Gottes auf Erden.

Das Herz Christus schenken

Dabei werden durch die totale innere Hinwendung auf Gott die Beziehungen zu Welt und Mensch keineswegs geschmälert, vielmehr erhalten sie eine besondere Intensität; denn Liebe zu Gott heißt zugleich Teilnahme an der Liebe Gottes zu den Menschen.

Armut

Die klösterliche Armut bedeutet den Verzicht auf die Verfügungsgewalt über materielle Güter. Darin schenkt sie Freiheit und Unabhängigkeit den irdischen Dingen gegenüber und ein von ängstlicher Sorge unbeschwertes Leben im Vertrauen auf die Güte Gottes. Sie beinhaltet darüber hinaus die Verpflichtung zur Arbeit und ist eine Form der Solidarität mit den Armen und Leidenden.

Rosenkranz

Jede Schwester soll in ihren Bedürfnissen anspruchslos, bescheiden und zufrieden sein.

Gebetsleben

Im Kloster ist alles auf die Begegnung mit Gott ausgerichtet. Die Schwestern suchen im Gebet die persönliche Vereinigung mit Gott, ihrem Ursprung, Ziel und Lebensinhalt. Aus der Vereinigung mit Christus schöpfen sie die Kraft zur Verwirklichung ihres Lebens nach den evangelischen Räten. Fürbittend treten die Schwestern für die Anliegen der Welt ein und rufen Gottes Gnade auf die Menschheit herab.

Schwester in Anbetung vor dem Allerheiligsten

Stundengebet

Das Stundengebet entfaltet zu den verschiedenen Tagesstunden Lob, Dank und Bitte, das Gedächtnis der Heilsmysterien und die Vorahnung der himmlischen Herrlichkeit. Es führt dem Alltag Kraft und Leben zu, indem es den Tag und alle menschliche Geschäftigkeit heiligt.

Blick aus der Krypta in die Klosterkirche

Die Zeiten für das Stundengebet, zu dessen Teilnahme Sie herzlich eingeladen sind, finden Sie hier.

Lectio Divina

Die geistliche Lesung gehört wesentlich zum Gebetsleben. Sie soll stets das Gebet begleiten. In ihr begegnen wir dem Wort Gottes, in dem wir den Anspruch Gottes in unserem Leben erfahren.

Offenes Buch

Die Lectio Divina fördert den Fortschritt des persönlichen geistlichen Lebens und hilft dabei das eigene Leben immer mehr nach dem Willen Gottes zu formen.

Jede Schwester verwendet täglich wenigstens 20 Minuten für die geistliche Lesung.

Meditation

In der Meditation versucht der gläubige Christ in der Tiefe seines Seins Gott zu erfahren und von dort die Kraft zu einer auf Gott ausgerichteten Lebenshaltung zu finden. Durch die betende Versenkung in Gott zu bestimmten Zeiten, wird es möglich immer und überall Seinen Willen zu suchen und alles Geschehen mit Seinem Blick richtig einzuordnen. Die Meditation führt zum persönlichen Gespräch mit Christus, das - wenn Er die Gnade dazu schenkt - in der Einigung mit Ihm gipfelt.

Jede Schwester hält täglich eine Meditationszeit von 30 Minuten ein.

Privatgebet

Im privaten Gebet kommen die Schwestern dem Auftrag nach, im Verborgenen zum Vater zu beten (Mt 6,6) Besonders im Aufblick zu Gott während der Tagesarbeit werden sie sich immer mehr der ständigen Gegenwart Gottes bewusst. Jede Schwester nimmt sich nach Bedürfnis und gegebenen Möglichkeiten Zeit für Besuchungen des Allerheiligsten Sakramentes, für Rosenkranz und Kreuzweg.

Stille

Schweigsamkeit und Stille sind unerlässlich für das Hinhören auf das Wort Gottes. Sie helfen den wahren Wert der Dinge zu erkennen, das Leben danach auszurichten und sich immer mehr auf das Wesentliche zu beschränken. Innere Frucht ist der Friede, der aus der immer stärkeren Erfahrung der Gegenwart Gottes erwächst.

Sonnenaufgang über dem Park von Helfta

Das klösterliche Schweigen ist an besondere Zeiten und Orte gebunden. Das sogenannte große Stillschweigen reicht von der Komplet am Abend bis nach dem Morgengottesdienst Sogenannte Regularorte, an denen nicht gesprochen wird, sind unter anderem die Kirche und das Refektorium - der Speisesaal der Schwestern.

Wesentlich beim Schweigen ist das Wissen darum, dass das äußere Schweigen erst dann seinen eigentlichen Sinn erfüllt, wenn es im Dienst des inneren Schweigens steht und letztlich sein Ausdruck ist.

Mystik

Der Begriff Mystik leitet sich ab vom griechischen mystikos, was geheimnisvoll und verborgen bedeutet. Dieser verborgenen göttlichen Wirklichkeit spürten Frauen und Männer aller Jahrhunderte nach. Herausragende Bedeutung in der Frauenmystik haben die Schriften der drei Heiligen Frauen von Helfta erlangt.

Blume

Gertrud von Helfta

(1256-1301 /1302)

Die heilige Gertrud von Helfta, (* 6. Januar 1256; † 17. November 1301 oder 1302), die als einzige deutsche Heilige auch den Beinamen „die Große“ trägt, gehört als Mystikerin, Theologin, Schriftstellerin und Seelsorgerin zu den bedeutenden Frauengestalten des Mittelalters. Vielfältig begabt, hatte sie neben ihrem hochentwickelten Sinn für Sprache und Musik vor allem auch einen offenen Blick für die Schönheiten der Natur.  

Gertrud stammte wahrscheinlich aus Thüringen und wurde – vielleicht schon früh verwaist – bereits als Fünfjährige von ihrer (namentlich nicht bekannten) Familie ins Kloster gegeben. Unter der Äbtissin Gertrud von Hakeborn (1232–1291), die Helfta zu einem Zentrum wissenschaftlichen Studiums gemacht hatte, erfuhr sie eine hervorragende Ausbildung. Nach einer schweren Sinnkrise hatte sie am 27. Januar 1281 eine Christusvision, die zu einer entschiedenen religiösen Neuausrichtung führte: Gertrud erfährt Gott als Gott-Liebe. „Amor Deus“ wird für sie der eigentliche Gottesname. In liebender Sehnsucht wendet sich Gott dem Menschen zu, und in der Erwiderung dieser Liebe gelangt der Mensch zu Selbstbewusstsein und Würde.

Gertrud die Große

  Die überwältigende Erfahrung der Gott-Liebe, die Gertruds ganzes Leben bestimmt, findet Ausdruck in einer tiefgreifenden Theologie, in der Gott, Schöpfung und Mensch zusammengesehen werden. Gott ist so sehr Liebe, dass er in überströmender Liebe alles erschafft. Und auch die Sünde kann nicht verhindern, dass Gott sich zum Menschen hinabneigt, um ihn endgültig wieder zu sich, in seinen Ursprung, zurückzuholen. Der Mensch muss Gott nicht um Gnade anflehen; im Gegenteil: der liebende Gott geht auf den Menschen zu; ja, er wirbt darum, dass der Mensch seine Liebe erwidert! In der Begegnung mit diesem liebenden Gott gelangt dann der an sich selbst verzweifelnde Mensch zum Bewusstsein seines Werts und seiner Würde und findet Freude daran, die erlebte Liebe an seine Mitmenschen weiterzugeben. So zeigt Gertrud eine Gotteserfahrung, die völlig frei von Angst ist, den Menschen von Angst befreit und schon im irdischen Leben „Heil“ bringt.  

Der Verbreitung dieser befreienden Botschaft widmete sich Gertrud sowohl in alltäglicher Seelsorge als auch in einer umfangreichen schriftstellerischen Tätigkeit. Ihre theologisch tiefgründigen „Exercitia spiritualia – Geistliche Übungen“ leiten an, offen und bereit zu werden für die Begegnung mit Gott, während der „Legatus divinae pietatis – Der Gesandte der göttlichen Güte“ ein Leben in und aus der Gnade schildert und dabei vielfältige Themen des religiösen Lebens in bildhaften Szenen erörtert. Die Endfassung dieses Buches erfolgte durch Mitschwestern aus dem „Helftaer Theologinnenkreis“, der sich um Gertrud gebildet hatte. Gertrud hinwiederum wirkte auch an der Abfassung der Offenbarungen Mechthilds von Hakeborn mit; dazu übersetzte sie Teile der Bibel und verfasste Gebete.

Gertrud die Große  

In all dem spricht Gertrud, entsprechend der Tradition der Bibel, nicht in theoretischen Begriffen, sondern in Bildern. Die Bilder sind zwar theologisch genau überlegt, aber sie vermitteln die Aussage ganzheitlich, indem sie Geist  u n d  Sinne ansprechen; zugleich lassen sie den Lesenden oder Hörenden die Freiheit, sie im Licht der eigenen Erfahrungen zu verstehen. So sind Gertruds Werke keine theologischen Lehrbücher im herkömmlichen Sinn, sondern Meditationstexte, die zur Freiheit der eigenen Gotteserfahrung anregen wollen. Dann wird man auch die zu ihrer Zeit hochmoderne „brautmystische“ Bildgebung heute in neuer Weise verstehen können: als lebendige Schilderung der Begegnung von Gott und Mensch in der „Herzenssprache“ der Minne.  

Zu weltweiter Wirkung gelangte Gertrud, als ihre beiden Hauptwerke 1536 gedruckt wurden. Im Verlauf der katholischen Erneuerung des 16. und 17. Jahrhunderts verbreiteten sie sich nun nach Frankreich, Italien und über Spanien bis nach Südamerika, zu dessen Patroninnen Gertrud zählt. 1678 wurde sie ins Martyrologium Romanum aufgenommen und somit auch offiziell als Heilige anerkannt. Ihr Attribut ist das Herz, mit Jesus in der Gestalt eines Kindes. Hierbei meint die Kindsgestalt, als Symbolisierung des Wesens der Person, das Einwohnen Gottes im Innern des Menschen.  

Über Konfessionsgrenzen hinweg wird Gertrud in der Gegenwart wiederentdeckt als Evangelistin einer angstfreien Religion, eines Christentums, das zum Leben befreit.

Gertrud die Große  

Ihr Fest wird in Deutschland und im Benediktinerorden am 17. November, sonst am 15. oder 16. November gefeiert.

Mechtild von Hakeborn

(1241-1299)

  Mechthild von Hakeborn (* 1241 auf Burg Helfta bei Eisleben; † 19. November 1299 im Kloster Helfta), gehört als Mystikerin, Leiterin der Klosterschule, Novizenmeisterin und begabte Musikerin zu den drei großen Visionärinnen, die zusammen mit der Äbtissin Gertrud von Hakeborn (1232-1291) das Kloster Helfta zur „Krone der deutschen Frauenklöster“ werden ließen. Nach ihrem Tod wurde sie als Heilige verehrt. Von gewinnender Persönlichkeit, war Mechthild eine verehrte Lehrerin, bewunderte Sängerin und vielgefragte Seelsorgerin.

  Mechthild und Gertrud von Hakeborn

Mechthild, die dritte Tochter der Freifrau und des Freiherrn von Hakeborn, wurde bereits im Alter von sieben Jahren zur Erziehung in das Zisterzienserinnenkloster Rodardesdorf gegeben. Ihre ältere Schwester Gertrud (* 1232) war dort bereits Nonne und wurde 1251 Äbtissin des Klosters, das sie dann 1257 nach Helfta verlegte. Um diese Zeit war Mechthild endgültig Nonne geworden und übernahm wichtige Aufgaben in der Erziehungs- und Bildungsarbeit des Konvents. So wurde ihr auch 1261 die fünfjährige Gertrud anvertraut, woraus sich eine lebenslange tiefe Freundschaft entwickelte. Darüber hinaus war sie eine von weither aufgesuchte einfühlsame geistliche Ratgeberin. Im Alter von 50 Jahren durchlebte Mechthild 1291, während der tödlichen Krankheit ihrer Schwester, eine schwere Sinnkrise und wurde selbst schwer krank; von da an sie blieb bettlägerig bis zum Ende ihres Lebens. Sie begann nun aber von ihren Gnadenerlebnissen zu berichten, die auf Geheiß der Äbtissin Sophie von Querfurt durch Gertrud von Helfta und eine weitere Mitschwester aufgezeichnet wurden; zuerst geschah das heimlich, später aber von Mechthild selbst autorisiert unter dem Titel „Liber specialis gratiae – Das Buch von der besonderen Gnade“.

Wasserlauf  

Mechthild besass eine hohe Bildung, und davon ist auch ihr Werk geprägt. Die Heilige Schrift und die Liturgie der Kirche sind ihre eigentliche, unversiegbare Kraftquelle. So verbindet sich in ihren Offenbarungen das Erleben des Kirchenjahres mit einem den ganzen Kosmos erfassenden Gotteslob. Solches Gotteslob erscheint ihr als wesentlicher Sinn des Daseins und wird auch mit allen Sinnen dargebracht. Die überfließende Liebe Gottes findet dabei ihre Antwort in der Hinwendung der gesamten Schöpfung zu Gott. Gnadenquell und Unterpfand der Liebe zwischen Gott und Mensch ist das göttliche Herz.  

Mechthilds visionäres Werk, in dem ihre Offenbarungen immer auch eine Lehre vermitteln, wurde zu einem der erfolgreichsten Bücher der abendländischen Mystik. Schon um 1400 wurde es aus dem Lateinischen in Volkssprachen übersetzt und gelangte im 16. Jahrhundert auch in Italien; Frankreich und Spanien zu hoher Geltung. Vor allem ihre Verehrung des Herzens Jesu und der Eucharistie sind bis in die Gegenwart von Einfluss.  

Heute wird immer mehr auch wahrgenommen, wie sie als Frau Selbstbewusstsein und Autorität verkörpert und es – ähnlich wie Gertrud von Helfta – wagt, auch priesterliche Aufgaben wahrzunehmen.  

Ihr Fest ist an ihrem Todestag, dem 19. November.

Mechthild von Magdeburg

(1207-1282 /1294)

Mechthild von Magdeburg

  Mechthild von Magdeburg (* um 1207 /1210 in der Gegend von Magdeburg; † 1282 /1294 im Kloster Helfta) ist als Mystikerin, Begine und Dichterin eine der Leitgestalten in der Mystik des Mittelalters, in einer einzigartigen Verbindung von intensiver Gottesbeziehung, sozialem Engagement und hochpoetischer Sprachkunst. Unter den mittelalterlichen Mystikerinnen ist sie diejenige, bei der wir am ehesten auch die Person mit ihrem individuellen Schicksal erkennen können.  

Mechthild, von adliger Geburt und wohlgebildet, muss schon sehr früh ihren eigenen Weg gegangen sein. Nachdem sie bereits im Alter von zwölf Jahren den „Gruß des heiligen Geistes“ vernommen hatte, verließ sie im Jahre 1230 endgültig die Adelsburg ihrer Eltern und ging in die Stadt Magdeburg, um dort 40 Jahre lang als Begine zu leben und das Schicksal der Armen zu teilen; ihr Vorbild war Elisabeth von Thüringen. Gott, wie ihn Mechthild nunmehr erfährt, ist ein liebender, ein ausschließlich liebender Gott. Er kann gar nicht anders, als den Menschen zu lieben. Der Mensch aber erwidert den Anruf Gottes nicht in hingebungsvoller Unterwerfung, sondern in mündiger, freier, partnerschaftlicher Liebe, die sich zugleich aufs engste mit dem Engagement für die Menschen verbindet: Die Liebe Gottes verweist auf das Göttliche im Menschen, und in der Nächstenliebe ereignet sich die Gottesliebe.  

Mechthild von Magdeburg

Ermutigt durch den Dominikaner Heinrich von Halle, begann Mechthild um 1250 mit der Niederschrift ihrer Gotteserfahrungen. Sie wählte dafür nicht die Sprache der Gelehrten, das geheiligte Latein, sondern die mittelniederdeutsche Sprache des Volks. Es ist zugleich eine hochpoetische Sprache, die aus dem Sprachschatz des Hohenlieds und des Minnesangs schöpft. Gott kommt hier neu zu Wort in der Sprache der Liebe, die Erstarrtes „ins Fließen“ bringt. So heißt ihr Buch dann auch „Das fließende Licht der Gottheit“, auf dass es in die Herzen einströme, sie erleuchte und entzünde.  

Durch die rückhaltlose Liebessprache ihres Buchs und durch ihre offene Kritik an Missständen in der Kirche hatte Mechthild erbitterte Anfeindungen auszuhalten; dazu litt sie vielfach unter schweren Krankheiten und inneren Anfechtungen bis hin zur Erfahrung der Gottesferne. Als dann um 1270 das Kloster Helfta die sechzigjährige Mechthild aufnahm, geschah dies jedoch nicht nur, um ihr einen Zufluchtsort zu gewähren, sondern vor allem deshalb, dass Mechthild die Nonnen „erleuchte und lehre“. Helfta öffnete sich der Armutsbewegung und der neuen Gotteserfahrung. Hier schrieb Mechthild dann auch den letzten, siebten Teil ihres Werkes nieder, und es ist unzweifelhaft, dass die Begegnung mit Mechthild der jungen Gertrud von Helfta entscheidende Anstöße gab, die neue Gottesrede hinzuführen zur allumfassenden Botschaft von der Gott-Liebe.

  Mechthild von Magdeburg

Bereits zu Mechthilds Lebzeiten wurde ihr Werk ins Lateinische übersetzt, um es auch in die theologischen Diskussionen der Scholastik einzubringen. Die „Basler Gottesfreunde“ um Heinrich von Nördlingen, einen engagierten Förderer der Frauenmystik, übertrugen es um 1345 ins Alemannische und sorgten für seine Verbreitung. Ab dem 15./16. Jahrhundert geriet Mechthilds Werk jedoch in Vergessenheit und wurde erst 1861 in der Bibliothek von Einsiedeln wieder entdeckt.  

Heute ist Mechthild für viele Frauen zu einer Leitfigur geworden: in ihrer Liebesfähigkeit und Kreativität, in der sie das Leben feiert, in der Verbindung von Gottesliebe und engagiertem sozialen Handeln, in der Bereitschaft, sich den Herausforderungen der Zeit zu stellen und die Anwesenheit Gottes gerade auch in den Problemfeldern unserer Gegenwart erfahrbar werden zu lassen.

Äbtissin M. Assumpta Schenkl O.Cist.

(1924 – 2009)

Mutter Äbtissin Assumpta Schenkl verstand sich zutiefst als eine berufene: Gott hatte sie dazu berufen, sich ihm ganz hinzugeben und zwar erging an sie zuerst eine „gewöhnliche“ und dann eine „ungewöhnliche“ Klosterberufung.

Die junge Gertrud Schenkl

1954 trat die junge Frau Gertrud Schenkl in die Zisterzienserinnenabtei Seligenthal in Landshut (Niederbayern) ein, wo sie zuerst Deutsch und Latein für das Lehramt am Gymnasium studierte und anschließend Jahrzehnte lang hauptsächlich in der Schule tätig war, bis sie 1987 zur Äbtissin gewählt wurde. Es waren nach ihrer eigenen Aussage glückliche und erfüllte Jahre. Sie setzte sich intensiv mit der Spiritualität der Zisterzienser auseinander, besonders wichtig für sie war die Beschäftigung mit dem heiligen Bernhard von Clairvaux, dem bekanntesten Abt des Zisterzienserordens, und den Mystikerinnen des Mittelalters.

Sie hatte die Gewohnheit nach dem Frühstück, bevor sie in die Schule ging, die Gedanken und Impulse, die ihr bei der morgendlichen Betrachtung gekommen waren, in einem geistlichen Tagebuch festzuhalten. Beim Durchblättern fiel ihr auf, dass manche Abschnitte wie Gedichte ausschauten. Sie zeigten ihrem ehemaligen Professor in Germanistik, bei dem sie schon eine Arbeit über eine mittelalterliche niederländische Mystikerin geschrieben hatte, diese Texte und er bestätigte ihren Eindruck: Es waren Gedichte, geistliche Gedichte, die man der Öffentlichkeit nicht vorenthalten dürfe, wie er meinte. Sie zögerte etwas, dieser Anregung zu folgen, waren die Gedichte z. T. doch sehr intim und persönlich, aber schließlich erschien 1982 ein erster Band auf dem EOS-Verlag in St. Ottilien: „O du mein goldener Gott“ (schon vergriffen). Die Resonanz war so positiv, dass Mutter Assumpta nicht mehr zögerte, weitere Bände folgen zu lassen.

Die Autorin M. Assumpta Schenkl

Noch während ihrer Amtszeit als Äbtissin von Seligenthal hatte man sie auf die Klosterruine Helfta bei Eisleben aufmerksam gemacht, da nach der Wende mehrere Verbände sich das Ziel gesetzt hatten, diese Ruine wieder aufzubauen. Mutter Assumpta hatte mit der DDR nie etwas zu tun gehabt, aber jetzt wurde ihr bewusst, dass ihre Namenspatronin an diesem konkreten Ort in Ostdeutschland gelebt hatte. Als sie dorthin eingeladen wurde und die ruinöse Klosteranlage selber aus nächster Nähe anschauen konnte, fühlte sie sich blitzartig angesprochen: Dieses Kloster sollte wieder zum Leben erwachen und sie war bereit, alles dafür zu tun. Kühn entschloss sie sich, mit einer kleinen Gruppe von Schwestern nach ihrer Resignation als Äbtissin von Seligenthal, nach Helfta zu ziehen. Das war im Jahr 1996. Sie stieß mit ihrem Vorhaben nicht auf ungeteilte Begeisterung, - sollte sie etwa wie eine zweite Sara wagen, was sich heute Ordensleute in den besten Jahren kaum trauen? Als alles dagegen zu sprechen schien, suchte sie wie sonst auch eine Antwort in der Heiligen Schrift und das Los fiel auf das Buch Esra Kapitel 5 Vers 15b, wo es heißt: Mein Haus soll an seiner alten Stelle wieder aufgebaut werden. Deutlicher konnte Gott nicht zu ihr sprechen. Als sie im Juli 1999 ihr Amt als Äbtissin niederlegte und sich von Bayern verabschiedete, schrieb sie an alle ihren Freunde, dass ihr der Abschied zwar nicht leicht falle, „Aber das Bewusstsein, das es der Wille Gottes ist, dass ich trotz meines Alters noch diese große und nicht leichte Aufgabe in Angriff nehmen soll, ist so stark, dass ich mich diesem Ruf nicht entziehen möchte und im Vertrauen auf Gottes Hilfe…dieses Wagnis eingehen will.“

Äbtissin M. Assumpta Schenkl OCist.

Die darauf folgenden Jahre in Helfta waren für Mutter Assumpta zweifelsohne die intensivsten und glücklichsten Jahre ihres Lebens, aber zugleich auch die Zeit, die sie am meisten angestrengt und aufgerieben hat, denn sie hat sich in keiner Weise geschont, sondern immer wieder gesagt: Jetzt gehöre ich ganz Helfta. Schon als Äbtissin von Seligenthal hatte sie gelegentlich Vorträge gehalten, aber verglichen mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit als Priorin von Helfta war das noch verschwindend wenig. Sie hatte sich vorgestellt, ihren Lebensabend mit einem ruhigen, beschaulichen Klosteralltag abzuschließen, aber der Wiederaufbau von Helfta “mitten in Deutschland“ zog sehr viele Leute an, sie kamen von Norden und Süden, Osten und Westen um alles zu besichtigen und Helfta zu erleben.

Was hat Mutter Assumpta so an Helfta fasziniert? Zum einen war es sicher die Zisterzienserkirche, denn in Helfta fand sich ein Stück zisterziensisches „Urgestein“, wenn es auch nur eine Ruine war: Der hohe schlanke Giebel der Klosterkirche mit den drei schmalen Fenstern bezeugte noch die ursprüngliche Zisterzienserarchitektur, der Mutter Assumpta auf Reisen in mittelalterlichen Zisterzienserklöstern öfters begegnet war und die für sie gleichsam der Schlüssel zum Verständnis der Ordensspiritualität geworden war. Sie erzählte oft von einem Aufenthalt in der Zisterzienserabtei Marienstatt (Westerwald), wo sie in der Früh die Abteikirche, eine „Muster-“ und „Muss-Kirche“ für alle Zisterzienserliebhaber, in einem besonderen Licht gesehen hatte: „Beim Anblick der sehr schmalen schmucklosen hohen Fassade wurde mir ganz plötzlich und intensiv in großer innerer Helle bewusst, was das Wesensmerkmal unseres Ordens…ist: das nüchterne und zugleich glühende, das kompromisslose Streben nach oben; das fast ungeduldige Abschütteln alles Unwesentlichen, wie diese strenge Fassade es zeigt, die nur eines im Sinn hat: sich auszustrecken nach dem Morgenstern, nach dem Licht, das Christus ist.“ Dieses romanische Kleinod in Helfta seinem ursprünglichen Zweck wieder zuzuführen, war ihr ein großes Anliegen.

Klosterkirche St. Marien zu Helfta

Ihr wichtigstes Anliegen hing aber zweifelsohne mit den drei Mystikerinnen von dort zusammen. Die Atmosphäre in Helfta ist noch von Mechthild von Magdeburg, Mechthild von Hackeborn und Gertrud der Großen, geprägt. Man kann den Teich sehen, an dem Gertrud die Große ihre erste Vision hatte oder das eine Kirchenfenster, wodurch Christus in ihren Visionen zu ihr hinzutrat – ein Fenster, das sämtliche Zerstörungsversuche „überlebt“ hat. Der Ort an sich lädt zur Besinnung ein. Für Mutter Assumpta war Mystik nicht an erster Stelle eine außergewöhnliche, um nicht zu sagen abgehobene, Erfahrung, sondern eine tiefe Gottesbegegnung, die sie so beschreibt: „Man kann Mystik also schlicht und einfach so definieren: Umwandelnde Berührung der Seele des Menschen durch Gott, die sich den Sinnen und der Sprache weithin entzieht, aber tiefe, bleibende Wirkungen zurücklässt.“

Von diesen bleibenden Wirkungen betonte sie oft, dass ein Mensch, der diese Erfahrung gemacht hat, nachher ohne Angst und Sorgen lebt, er darf Gott vorbehaltlos vertrauen und sich ihm anvertrauen. Überhaupt wurde Mutter Assumpta nicht müde, zu betonen, mit welcher Sehnsucht Gott auf jeden Menschen wartet und mit welcher Zuversicht der Mensch sich Gott in die Arme werfen darf. Sie sagte „Ich bin überzeugt, dass wir Gott viel häufiger und tiefer kränken durch mangelndes Vertrauen als durch Sünden“. Das war sicher ihre Helfta-Mission in nuce: Sie sollte ein authentisches Glaubenszeugnis von einem gütigen und liebenden Gott sein, der uns zu jeder Zeit wie einen verlorenen Sohn aufnimmt und sie wollte für eine solche Begegnung den Rahmen bieten – und das in einer Gegend, die Jahrzehnte lang atheistisch geprägt worden war. Dafür gab sie ihre letzten Jahre.

Geschichte des Klosters

Gründung

Das Kloster wurde 1229 bei Mansfeld nahe der Burg Mansfeld vom Grafen Burchard von Mansfeld und seiner Gemahlin, der Gräfin Elisabeth von Schwarzburg bei ihrer Burg Mansfeld (Thal-Mansfeld) als Hauskloster der Grafen von Mansfeld gegründet und mit sieben Nonnen aus dem St. Jacobi-Kloster vor Halberstadt besetzt. 1234 verlegte die Witwe Burchards I. das Kloster nach Rothardesdorf. Dort starb 1240 Gräfin Elisabeth, die nach dem Tode ihres Mannes dem Konvent beigetreten war. 1258 siedelten die Nonnen aufgrund großen Wassermangels nach Helfta um. Den in Ehren gehaltenen und offenbar immer wieder ebenfalls umgesiedelten Grabstein der Stifterehepaars verwahrt heute die St. Andreas-Kirche in Eisleben.

Blütezeit

Am Standort Helfta entwickelte der Konvent eine beachtliche Größe von zeitweise mehr als 100 Nonnen. Unter der klugen Leitung der Äbtissin Gertrud von Hackeborn blühte die Gemeinschaft nicht nur zahlenmäßig, sondern auch spirituell auf. Sie legte größten Wert auf die theologische und wissenschaftliche Ausbildung ihrer Schwestern. Gertrud war überzeugt, dass ohne Vernunft auch der Glaube verloren gehen würde. So betrieb das Kloster eine Schule und brachte die berühmten Mystikerinnen Gertrud von Helfta und Mechtild von Hackeborn hervor. Die Nonnen lebten nach der Regula Benedicti und nahmen die Reformen der Zisterzienser an.

Niedergang

Nach mehreren Plünderungen im 13. und 14. wurde das Kloster 1343 erneut verlegt - vor die Stadtmauer von Eisleben. Doch auch hier waren die Nonnen nicht sicher und im Jahre 1525 flüchteten die letzten verbliebenen Nonnen während einer erneuten Verwüstung des Klosters. Im Jahr 1542 wird das Kloster schließlich im Rahmen der Säkularisierung ein letztes Mal urkundlich erwähnt. In den folgenden Jahrhunderten wechselten die Besitzer, bevor das Gelände im Jahre 1945 in ein “Volkseigenes Gut” der DDR umgewandelt wurde.

Ruine der Klosterkirche

Wiederaufbau

Ende des 20. Jahrhunderts schlossen sich Vereine für den Wiederaufbau des Klosters Helfta zusammen und konnten gemeinsam genug Spenden sammeln, um das Gelände zu kaufen. Im Frühjahr 1998 begonnen die Bauarbeiten am Kloster unter der Bauherrenschaft des Bistums Magdeburg. Am 13. August 1999 zogen nach mehr als 450 Jahren wieder Cistercienserinnen in Helfta ein.

Erste Schwestern in Helfta

Daten im Überblick

JAHR EREIGNIS
1229 Gründung des Klosters bei Mansfeld
1258 Verlegung des Klosters nach Helfta, östlich von Eisleben
1207-1282 Hl. Mechthild von Magdeburg, Mystikerin, bedeutende Schriften
1231-1291 Gertrud von Hackeborn, Äbtissin von 1251 bis 1291
1241-1299 Hl. Mechthild von Hackeborn, Schwester der Äbtissin, Mystikerin, Leiterin der Klosterschule
1256-1302 Hl. Gertrud von Helfta, Mystikerin, bedeutende Schriften
1342 Verwüstung des Klosters durch Albrecht von Braunschweig
1343 Verlegung des Klosters an die Stadtmauer von Eisleben
1483-1546 Martin Luther in Eisleben geboren und gestorben
1525 Verwüstung des Klosters Neu-Helfta im Bauernkrieg,
1542 Reformation in Eisleben, Säkularisierung des Klosters Helfta
Das Klostergut wurde preußische Staatsdomäne. Die DDR wandelt die
Staatsdomäne in ein “Volkseigenes Gut” mit Massentierhaltung um.
3. Juni 1992 Aus vier Förderkreisen entsteht der “Verband der Freunde des Klosters Helfta”.
8. Aug. 1994 Das Klosterareal mit Teilen historischer Bausubstanz werden wieder Kirchenbesitz.
Aus Spendenmitteln des Verbandes kauft das Bistum Magdeburg von der Treuhand das Klosterareal.
Bischof Leo Nowak übernimmt die Schirmherrschaft für den Wiederaufbau.
1. Sep. 1998 Offizieller Beginn für den Wiederaufbau des Klosters Helfta
21. März 1999   Richtfest der Klosterkirche St. Marien

Blick auf Helfta von oben

Neuere Geschichte

Mit der Errichtung der Klosterkirche St. Marien war der Wiederaufbau noch nicht abgeschlossen. Das alte Mühlengebäude wurde zum heutigen Konventgebäude ausgebaut. Aus alten Stallungen entstand das Gästehaus, der Getreidespeicher beherbergt heute den Klosterladen.

Gertrudkapelle

Am 28. Juni 2008 fand durch Herrn Generalvikar Raimund Sternal die Benediction der neu errichteten Gertrudkapelle, nahe der Klosterkirche, statt. Damit erfüllte sich ein lang gehegter Wunsch des Initiativkreises in Durach um die Vorsitzenden Herrn Geistlichen Rat Josef Hochenauer und Frau Dr. Irene Rischawy, die sich in ideeller wie in finanzieller Hinsicht gerade für diese Kapelle engagiert haben.

Innenansicht der Gertrudkapelle

Drei alte Mauerteile - von einem 1988 gesprengten alten Klostergebäude - bestimmen den Raum und vermitteln ein Gefühl der Geborgenheit und Stille. Die Künstlerische Gestaltung lag bei Herrn Claudia Pastro, Sao Paulo, Brasilien. Die Gertrudkapelle lädt zum stillen Beten ein, ist aber auch für Gruppen und ihre Gottesdienste offen.

Garten der Stille