Quarantäne

(Text von P. Richard Hendrick OFM, Übertragung aus dem Französischen: P. Bruno Robeck OCist.)

Ja, es herrscht Angst.

Ja, es gibt Isolation.

Ja, es gibt Panikeinkäufe

Ja, unter uns ist viel Leiden.

Ja, unter uns ist sogar der Tod.

Aber, so heißt es in Wuhan,

nach so vielen Jahren des Lärms

kann man wenigstens die Vögel hören.

Es heißt, dass der Himmel nach diesen Wochen des Stillstands

nicht mehr voll Smog ist. Er ist blau, grau und hell.

Man sagt, dass die Menschen singen

auf den Straßen von Assisi, auf den leeren Plätzen.

Sie lassen ihre Fenster offen, so dass diejenigen, die allein sind,

den Alltag der Familien in ihrer Nachbarschaft miterleben können.

Man sagt, dass es im Westen Irlands ein Hotel gibt,

das kostenlose Mahlzeiten anbietet

und sie an Menschen verteilt, die unter Quarantäne gestellt sind.

Heute ist eine junge Frau, die ich kenne,

damit beschäftigt, Flugblätter mit ihrer Telefonnummer zu verteilen,

damit ältere Menschen sie anrufen können.

Heute bereiten sich Kirchen, Synagogen, Moscheen und Tempel

darauf vor, die Obdachlosen, Kranken und Erschöpften

willkommen zu heißen und ihnen zu helfen.

Überall auf der Welt

werden die Menschen langsamer und nachdenklicher.

Überall auf der Welt

sehen die Menschen ihre Mitmenschen mit anderen Augen.

Überall auf der Welt entdecken die Menschen eine neue Wirklichkeit:

Ihnen wird bewusst, wie wunderbar der Mensch ist.

Ihnen wird bewusst,

wie wenig Kontrolle der Mensch über sein Leben hat.

Ihnen wird bewusst, was wirklich zählt: zu lieben.

Vor diesem Hintergrund Grund beten wir und vergessen nicht,

dass es viel Angst gibt. Aber es darf keinen Hass geben.

Ja, es gibt Isolation, aber die Menschen sollen nicht einsam werden.

Ja, es gibt Panikeinkäufe,

aber die Menschen sollen nicht selbstsüchtig werden.

Ja, es gibt viel Leiden mitten unter uns,

aber Herz und Seele sollen gestärkt werden.

Ja, sogar der Tod ist mitten unter uns.

aber er wid es nicht schaffen, die Liebe zu zerstören.

Du kannst entscheiden, wie Du heute lebst.

Nimm die Verantwortung für Dein Leben ernst.

Du lebst und atmest heute.

Und höre genau hin.

Hinter dem Lärm, den deine Ängste produzieren, singen die Vögel wieder.

Der Himmel reißt auf, der Frühling kommt,

und wir sind immer noch von der Liebe umgeben.

Öffne die Fenster deiner Seele

und sollte es dir nicht gelingen, dann akzeptiere die Leere

und singe in sie hinein.

Singe.