Ostersonntag 2021

(Impulse aus dem Kloster Helfta, Episode 21)

Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat, wir wollen jubeln und uns über ihn freuen. (Ps 118,24)

Es darf nicht sein… oder: Wir wollen nicht, dass … zum Fest …. - Der geordnete Ablauf der alljährlichen Gedächtnisfeier zur Ehre Gottes ist den Verantwortlichen damals so wichtig. Schnell noch alle Spuren von dem beseitigen, den man gerade noch rechtzeitig aus dem Weg geräumt hat, um ohne Störung das Fest der Befreiung, das Pessach-Fest, zu feiern, damit auch ja nichts dazwischen kommt, damit alles in den gewohnten Bahnen laufen kann… Aber rechnet da jemand mit Gott? Plötzlich feiert Gott sein eigenes Fest der Befreiung, und alles läuft aus dem Ruder. Nichts ist mehr, wie es war. Nicht mehr rituell, nicht mehr kontrolliert und gezähmt, sondern wirklich. Und genau jener beseitigte Tote tritt als Lebender unerwartet ins Leben seines Volkes. Das sprengt jede Vorstellungskraft. So war das nicht abgesprochen, Gott!!! Und das genau ist die Botschaft. Er ist der Allmächtige, der die Welt und uns ins Dasein rief, der unendlich viel größer ist, als wir ihn uns denken können: Unerwartet, lebendig und ganz anders. Schon das erste Ostern war die Entdeckung von Leben im Tod. Und so ist es bis heute geblieben. Jesus lebt!

Ein ostkirchlicher Hymnus des Metrophanes von Smyrna spiegelt solches Vorausplanen bei den Frauen auf dem Weg zum Grab, das von der Wirklichkeit überholt wird: „Die salbentragenden Frauen brachen auf im Morgengrauen. Und da das leere Grab sie geschaut, sprachen sie zu den Aposteln: Die Verwesung besiegte der Mächtige und entriss die Ketten den Hadesbewohnern. Freimütig gebet die Kunde: Christus, der Gott, ist erstanden und schenkt uns das große Erbarmen. Mit den Salben für deine Bestattung erschienen heimlich die Frauen im Morgengrauen am Grabe aus Furcht vor dem Trotze der Juden, bedenkend im voraus den Schutz der Soldaten. Doch die schwache Natur besiegte die männliche Kraft, da ihre Mitleidgesinnung Gottes Wohlgefallen gefunden. Entsprechend riefen sie also: Auferstehe, o Herr, hilf uns, um deines Namens willen sei unser Befreier.“

Aus Dunkel wird Licht, aus Trauer Freude, aus einem hastig gegessenen Erinnerungsmahl ein Freudenfest des Lebens, des Triumphes über den Tod. Möge in jedem von uns das Unerwartete sein dürfen und diese Ahnung des immer Größeren aufleuchten. Ostern kann uns nicht genommen werden, solange wir an die Auferstehung glauben. Und Ostern ist ein Fest zum Weitererzählen:

Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung! (Mk 16,15)

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