Karsamstag 2021

(Impulse aus dem Kloster Helfta, Episode 20)

Da es Rüsttag war, der Tag vor dem Sabbat, und es schon Abend wurde… Mk 15, 42

Von der Verhaftung bis zur Beisetzung geschah alles in ungeheurer Eile. Die Angelegenheit war so wichtig, dass auch die das Urteil sprechenden Großen nichts vertagen konnten. Das Mahl, die Gefangennahme, die Kreuzigung und Grablegung – nach Markus alles innerhalb von 24 h. Dann wird es still. Das Pessach – Fest, das der Anlass für die hohe Geschwindigkeit war, war im Geschehen in der Tat ein Tag der Ruhe. Wir wissen nur, dass er an jenem Tag im Grab ruhte, nichts sonst ist von diesem Tag überliefert. Traf sich seine Jüngerschaft, um dieses Fest zu begehen und ihre Trauer zu teilen? Was war das wohl für eine besondere Stille an diesem Tag, so gefüllt mit Erlebtem und Befürchtetem, auch mit Erhofftem? Jesus war wirklich tot. Ruhe und Unruhe, Verschonung und Angst zerrissen die Apostelherzen. Man möchte wohl gerne zur Tagesordnung zurück, und es geht nicht. Orientierungslosigkeit herrscht vor. Es gibt diese Tagesordnung mit ihm nicht mehr, aber die gestiftete Gemeinschaft untereinander, die war noch da und gab gegenseitigen Halt. Wo war der Sinn in der Leere, die nun Raum griff? Worin bestand der Sinn in den vielen Andeutungen Jesu, die Zukunft ansagten, und doch noch nicht recht verständlich waren? Ging es wirklich weiter? Würde er in der Tat wieder auferstehen? - Aber auch das Persönliche ängstigte die Apostel. Würde sie das gleiche Schicksal ereilen?

Wie ist das mit der Hoffnung, wenn alles Zurechtgelegte und Geplante scheinbar nicht mehr gilt? Wenn alle Sicherheiten keine Sicherheit mehr geben und das Latein am Ende ist?

Es waren die tieferen, ja die archaischen Schichten, die nun so etwas wie Halt vermittelten. Glaube und Gebet, in der Kindheit gelernt, waren verankert. Jesus hatte ihnen auch in seinem Beten ein Beispiel gegeben, bis hinein in die Stunde seiner Angst. Das Stundengebet des Karsamstags spiegelt diese Rückkehr des Beters in die Gottesbeziehung, das neue Anfragen und Suchen. Im Laufe des Tages wandelt sich der Charakter der Gebetstexte von Trauer und Klage wieder hin zu neuem Vertrauen. Es wandelt sich die Düsternis des Herzens ganz verhalten hin zum kommenden Neuen, ohne konkret zu wissen, was ist. Dieses stellvertretende So-beten-dürfen ist ein Geschenk.

Vieles hast du getan, Herr, du mein Gott: deine Wunder und Pläne für uns. Nichts kommt dir gleich. (Ps 40,6)

Du bist die Gottheit, die Wunder tut. (Ps 77, 15)

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