Gründonnerstag 2021

(Impulse aus dem Kloster Helfta, Episode 18)

Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen… (Joh 13,5)

Der mittelalterliche Traktat Vom inneren Haus formuliert Gottes unsichtbare Nähe so: Der du jetzt in eine Gemeinschaft mit anderen gestellt bist, sei dir bewusst, dass du nicht immer bei ihnen verweilen kannst. Und in der Zwischenzeit erwähle dir jenen als Gefährten, der dir, nachdem sich dir alles Hiesige entzogen hat, die Treue halten wird, der denen, die ihn lieben, die Treue wahrt und der in der Zeit der Bedrängnis nicht zurückweicht. Wenn wir in dieser Nacht der verlassenen Altäre und des Schweigens unsere Hände in den Anliegen aller Leidenden unserer Welt betend falten, möge uns eine Ahnung davon zuteil werden, dass Gott niemanden fallen lässt, dass Er auch niemanden allein lässt.

In diesen Tagen jährt sich zum 25. Mal, der Tod der sieben Trappistenmönche von Tibhirine. Ihr Prior, P. Christian de Chergé, hat das Anliegen, das hinter dem Ritus der Fußwaschung steht, einmal wie folgt formuliert:

„Wir wissen aus Erfahrung, dass die kleinen Gesten oft viel kosten, besonders wenn sie täglich wiederholt werden müssen. Seinen Brüdern am Gründonnerstag die Füße zu waschen, geht vorbei, aber was wäre, wenn wir das jeden Tag tun müssten? Und für jeden, der kommt? Wenn unser Vater Bernhard sagt, dass der Orden mehr Mönche als “Märtyrer” braucht, meint er offensichtlich nicht dieses Martyrium, das der Mönch durch so viele kleine Dinge mitmacht. Wir haben unser ganzes Herz Gott gegeben, und es kostet uns sehr viel, dass er diese Herzen portionsweise annimmt.“

Die liturgischen Zeichen des Gründonnerstages sind die Verdichtung der Sendung Jesu auf einen einzigen Tag. Kürzer lässt sich nicht zusammenfassen, was der Inhalt unserer Nachfolge ist. Was auch immer in diesem Jahr an Gesten und Riten ausfallen muss, die Nächstenliebe, die sich in diesen Symbolhandlungen ausdrückt, ist unveräußerliches Gut. Sicher, an diesen Gedächtnisfeiern hängt unser Herz, und es ist gut, dass wir im Mitvollziehen dieser Tage uns auch selbst hinterfragen. Es bleibt aber ebenso wahr, dass uns die Möglichkeiten christlicher Liebeserweise nicht genommen werden können. Nehmen wir die so eingängigen Melodien in unser Herz und tragen wir sie hinein in unser Alltagsgeschehen, z.B. das Ubi caritas - Wo die Güte und die Liebe, da ist Gott. Und so hören wir sein Vermächtnis neu:

Tut dies zu meinem Gedächtnis! (1 Kor 11,24)

und

Ein neues Gebot gebe ich euch: Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. (Joh 13,34)

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