Dienstag der Karwoche 2021

(Impulse aus dem Kloster Helfta, Episode 16)

Du hast mir versprochen, zu helfen! Ps 71,3

Manchmal verstummt ein Mensch, weil er nichts mehr zu sagen weiß, wenn ihm jemand oder auch etwas genommen wird, was ihm teuer war. Ein heimsuchendes Geschehen kann wie die Wucht eines Unwetters durchjagen und ein gespenstisches Schweigen zurücklassen. Da ist ein Nichts-verstehen, aber auch ein Nichts-tun-können. Lethargie! Man ist außer Gefecht gesetzt. Wo ist Gott?

Oft bleibt diese Frage ohne Antwort. Auch Jesus formulierte sie am Kreuz.

Bei Jesaja zieht ein Mensch eine noch viel bitterere Bilanz: Ich aber sagte: Vergeblich habe ich mich bemüht, habe meine Kraft nutzlos vertan. (Jes 49,4) Viele engagierte Menschen setzten und setzen sich im Kleinen wie im Großen überall auf der Welt in Politik, in Organisationen und Vereinen für Werte und Gemeinwohl ein und erblicken an ihren jeweiligen Einsatzorten Tag für Tag nur, dass nichts vorwärts geht, dass ihre Hoffnung sich immer wieder zerschlägt. Manche dieser Vorkämpfer schließen die Augen für immer, ohne das gesehen zu haben, wofür sie lebten. Ihr Leben ist nicht umsonst. Spätere Generationen sind dankbar für solche Menschen, wie die Geschichte zeigt. Sie selbst aber sehen das Neue nicht. Sie können nur beständig bittend formulieren: Reiß mich heraus und rette mich in deiner Gerechtigkeit! (Ps 71,2) Dieser Schrei nach Rettung ist in vielen Gegenden unserer Erde nicht nur ein individueller, sondern ein kollektiver Schrei. Tagtäglich berichten die Medien aus den Krisengebieten, und tagtäglich kommen Konfliktherde hinzu. Ohne Gottes Hilfe schaffen wir Menschen den Frieden nicht.

Jesus ist im Innersten erschüttert (Joh 13,21). Er weiß um den Verrat, er deutet ihn an, doch niemand versteht ihn. Kein Einzelfall! Oft verstehen wir Probleme und Sorgen nicht, sehen das Leid nicht einmal oder spielen es herunter und können zudem in vielen Fällen nichts tun. Doch: Sowohl den Scherbenhaufen eines persönlichen Scheiterns als auch das Leid, das irgendwo in unserer Welt militärisch hereinbricht, politisch verfügt wird, sich juristisch Bahn bricht, das auf wirtschaftlicher Ebene um sich greift oder durch mediale Manipulation entsteht, auch im Social-Media-Bereich, können wir durchbetend mittragen. Wir wissen nicht, was Gott daraus macht. Sicher aber wissen wir, dass er Gebete erhört.

Bei allem heraufziehenden Dunkel auch im Leben Jesu bleibt die Verheißung, deren Teil er ist: Ich mache dich zum Licht für die Völker! Jes 49,6 Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist in ihm verherrlicht. Joh 13,31

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