Montag der Karwoche 2021

(Impulse aus dem Kloster Helfta, Episode 15)

Streite, Herr, gegen alle, die gegen mich streiten, bekämpfe alle, die mich bekämpfen! Ergreife Schild und Waffen; steh auf, um mir zu helfen! Herr, meine starke Hilfe.

Dieser Text aus Psalm 35 ist der Eröffnungsruf der Tagesmesse vom Montag der Karwoche. In höchster Not, wenn wir nichts mehr in der Hand haben und reine Bittsteller sind, dann hat unsere Bitte die Demut eines ehrlichen und freibleibenden Flehens mit der offenen Erwartung auf Hilfe, ganz gleich welcher Art. Aber sonst? Wie gehen wir bittend mit Gott um?

Der Ruf nach Gott ist kein Test. Das wäre Versuchung. Gott ist auch kein Diener, der nach unseren Wünschen zu springen hat. Er ist der Größere. Und dieser Größere sagt mir zu, dass ich geborgen bin, dass er mein Rufen hört. Doch seine Antwort bedient nicht meine Erwartungen.

In Jesaja 42, 1-6 wird der Gottesknecht vorgestellt, ein Mensch voller Gottvertrauen, ein außergewöhnlicher Mensch. Er hat es nicht nötig, zu lärmen und zu schreien. Mit der natürlichen Autorität dessen, in dessen Namen er handelt, agiert er in Milde. Dieser Adel des Schweigens fällt auf. Später zeigt er sich als Bedrängter und Angefochtener, der jedoch im tiefsten Inneren weiß, wer er ist, welche Würde ihm von Gott her gegeben ist und wofür er steht und der deshalb Ruhe ausstrahlt.

Als man Jesus vor lauter Anklage nicht mehr zuhörte, schwieg er. Die Hinterlist des ihn verratenden Freundes, kommentierte er nicht. Gegen die Verhaftung wehrte er sich nicht. In der Dunkelheit der Nacht geschubst, geboxt, geschlagen.

Tritte und Schläge verändern durch Schwellungen in wenigen Stunden das Aussehen eines Menschen. Doch es gibt auch noch andere Schläge. Eine Seele kann getreten, geboxt und geschlagen werden. Ein Übersehen- werden kann schmerzen. Ignoranz, Vorteilsnahmen und Mobbing können Menschen entstellen und tief verletzen. Gebrechlichkeit und Krankheit können ausliefern und entmündigen. Als ein Beispiel unseres Hauses fällt mir in diesem Kontext die von Heimlichkeiten überlagerte Entstehung des Buches über Mechtild von Hakeborn ein. Gerade wenn enge Vertraute über materielles oder geistiges Eigentum verfügen, es - wie im Fall Mechtilds – in die Form eines Buches bringen und veräußern – was tun sie jemandem da an?

Mit den Worten zweier Psalmen sprechen wir für die vielen, die in unseren Tagen solches Leid erfahren:

Hilf mir, Herr, mein Gott! (Ps 109,26) Schaffe mir Recht, Gott, und führe meine Sache! (Ps 43,1)

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